Rückkehrer Wolf

Foto NABU-J.Borris
Foto NABU-J.Borris

Wer kennt sie nicht, die Märchen von Rotkäppchen oder auch den sieben Geißlein.

Als Hauptnahrungskonkurrent des Menschen ließ man in früheren Zeiten kein gutes Haar an dem großen Beutegreifer und so setzte sich das verzerrte Bild eines mordenden Ungeheuers in unseren Köpfen fest, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Der NABU möchte dieses zu Unrecht entstandene, meist emotional negativ besetzte Bild durch sachliche Aufklärung korrigieren.

 

Die Hauptnahrung des Wolfes in Deutschland ist das Reh (53 Prozent), gefolgt von Rotwild (15 Prozent) und Wildschweinen (18 Prozent). Dies haben Untersuchungen des Senckenberg Museums für Naturkunde (Görlitz) an über 6.000 gesammelten Kotproben aus den Jahren 2001 bis 2016 ergeben (siehe Webseite der DBBW). Zu einem kleinen Teil (ca. 13 Prozent) stehen auch Damhirsch, Muffelschaf, Hase und andere kleine und mittelgroße Säuger auf dem Speiseplan. Mit etwa einem Prozent der erbeuteten Biomasse sind Nutztierrisse die Ausnahme und spielen als Nahrung für das Überleben der Wölfe keine Rolle.

Je nach Region und Jahreszeit schwankt die Nahrungszusammensetzung allerdings. In Sachsen-Anhalt beispielsweise haben Damhirsche eine größere Bedeutung für die Ernährung des Wolfes, in der Königsbrücker Heide in Sachsen stehen auch Biber auf dem Speiseplan (LAU Sachsen-Anhalt, 2014 und Kontaktbüro Wölfe in Sachsen, 2014). (Quelle NABU-Bundesverband  2018)

 

 

Im Jahr 2000 wurden wieder erstmalig seit über 100 Jahren wild lebende Wölfe in Deutschland geboren, seitdem nimmt ihre Zahl und Verbreitung langsam aber stetig zu.

Nahezu jedes Bundesland (Stadtstaaten ausgenommen) hat geeignete Lebensräume, denn die Tiere gelten als sehr anpassungsfähig.

Die  abgebildete Verbreitungskarte zeigt keine Einzeltiere , z.Z. hat lediglich das Saarland noch keinen DNA-Nachweis für einen Wolf vorzuweisen.

Die nächsten wildlebenden Wolfsrudel von Baden-Württemberg aus gesehen, befinden sich etwa 80 km Luftlinie von Überlingen entfernt im Calandamassiv/Schweiz und in den Vogesen/Frankreich etwa 70 km Luftlinie zu Freiburg (Stand Januar 2018). Meldungen im August 2016 berichten von einem bestätigten Rudel in Österreich - dem ersten seit 100 Jahren. Auch von dort aus könnten künftig weitere Jungtiere auf Reviersuche einwandern.

  • Am 26.06.2015 wurde in Lahr/Schwarzwald, der erste Wolf seit über 150 Jahren in Baden-Württemberg, überfahren auf einer Autobahn aufgefunden.
  • Im November 2015 fand man im Alb-Donau-Kreis bei Merklingen bereits den zweiten überfahren Jungwolf. Beide Tiere waren männlich und stammten aus dem seit 2012 etablierten Rudel in Graubünden/Calandamassiv, Schweiz.
  • Die erste Lebend-Sichtung eines Wolfes in Baden-Württemberg erfolgte im Mai 2016 auf der Baar.
  • Im November 2016 wird bei Memmingen im Allgäu nach einem Riss, die DNA eines männlichen Wolfes aus den Südwestalpen bestätigt. Die räumliche Distanz zu Überlingen beträgt lediglich einen Tages-/Nachtmarsch.
  • Im Juni 2017 erfolgt eine Sichtung nahe Überlingen - zwischen Bambergen und Lippertsreute fotografiert ein Landwirt in Obstplantagen einen Jungwolf. Das Tier wird von den zuständigen Behörden als Wolf bestätigt.
  • Juli 2017 wird ein junges, männliches Tier tot im Schluchsee aufgefunden. Der Jungwolf stammt aus der Niedersachsenpopulation bei Schneverdingen, ob es sich dabei um den in Überlingen gesichteten Wolf handelt, bleibt zunächt unsicher.
  • Das Tier wird in Berlin im August 2017 obduziert. Die Untersuchung ergibt, dass der "Schluchseewolf" durch einen unbekannten Schützen/in nachweislich illegal erschossen wurde und dass es sich dabei um den in Überlingen gesichteten Wolf handelt.
  • Oktober 2017 -  Der NABU Baden-Württemberg gemeinsam mit BUND, euroNATUR, Schwarzwaldverein, Luchsinitiative, WWF Deutschland und dem Ökologischen Jagdverein (ÖJV-BW) lobt eine Belohnung zu Hinweisen auf den illegalen Schützen/in in Höhe von 2.500 Euro aus.
  • Oktober 2017 - Bei Heilbronn werden drei Schafe nachweislich von einem Wolf gerissen. Dies ist der erste , durch Wölfe verursachte Nutztierriss seit über 100 Jahren in Baden-Württemberg.
  • Januar 2018 - gesicherter Nachweis eines Einzeltieres bei Stuttgart (Rotwildriss).
  • Janaur 2018 von Wolf gerissene Ziege in Sersheim
  • März 2018 - C1 Fotonachweis eines Einzelwolfes bei Ostrach/Sigmaringen
  • April 2018 - Bad Wildbad: über 40 getötete Schafe (über 10 davon auf Flucht ertrunken). Vermutlich von Wolf verursacht - der DNA Beweis steht noch aus.
Okt. 2013 Lüneburger Heide - Foto Jürgen Borris / NABU
Okt. 2013 Lüneburger Heide - Foto Jürgen Borris / NABU

 

Die Reaktionen auf die Rückkehr des Wolfes reichen von begeisterter Wildromantik-Träumerei bis hin zum illegalen Abschuß aus hunderprozentiger Ablehnung.

Beides wird den Tieren nicht gerecht.

 

Wir werden in vielerlei Hinsicht wieder lernen müssen mit großen Beutegreifern in unserer unmittelbaren Nachbarschaft zu leben, wenn der Wolf in unserem Land eine echte Chance haben soll.

  • Manch einer stellt da die Frage, wozu brauchen wir überhaupt Wölfe?
  • Gehört der Wolf in unsere heimische Kulturlandschaft?
  • Wollen wir grundsätzlich wildlebende Prädatoren in Deutschland akzeptieren?
  • Wie könnten unsere Nutztierhalter mit dem Thema große Beutegreifer umgehen?
  • Wie gefährlich ist das Tier tatsächlich für den Menschen?
  • Kann man von anderen Nationen Beutegreiferschutz einfordern (z.B. Löwe, Tiger, Leopard, Bären) und im eigenen Land verweigern ?

Einige dieser Fragen kann im Grunde nur jeder Mensch für sich selbst beantworten,

denn es ist eine grundsätzliche Frage, wieviel Natur wir zulassen möchten und vor allem was es uns wirtschaftlich gesehen wert ist.

Natur bzw. einigermassen intakte Ökosysteme sind für den Menschen meist nicht bequem und schon gar nicht kostenfrei zu haben und die Balance zwischen positivem Nutzen aus der Natur ziehen und nicht nachhaltig zu zerstören ist sehr schwierig.

 

Vielen anderen Ländern (z.B. Rumänien, Italien, Polen)  gelingt ein, zugegeben nicht immer harmonisches, Zusammenleben mit großen Beutegreifer wie Wolf und Braunbär.

Der oft gehörte Lösungsansatz in anderen Ländern sei genug Platz für "wilde" Tiere ist eine Anmaßung den Ländern gegenüber, die die Kosten und Schwierigkeiten nicht scheuen obwohl sie wirtschaftlich meist schlechter gestellt sind als Deustschland.

 

Auch andere, für uns momentan noch ungewohnte Wildtiere wandern wieder kurz-  oder langfristig zu uns ein und versuchen sich zu etablieren,

wie zum Beispiel der Braunbär, Goldschakal , Elch, Wildkatze oder der Luchs und so betrifft manche Fragestellung nicht nur den Wolf alleine.

 

weiter zu