"Willkommen Wolf"

Seit über 15 Jahren ein bundesweites Projekt des NABU

Wer kennt sie nicht, die Märchen von Rotkäppchen oder auch den sieben Geißlein.

Als Hauptnahrungskonkurrent des Menschen ließ man in früheren Zeiten kein gutes Haar an dem großen Beutegreifer und so setzte sich das verzerrte Bild eines mordenden Ungeheuers in unseren Köpfen fest, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Der NABU möchte dieses zu Unrecht entstandene, meist emotional negativ besetzte Bild durch sachliche Aufklärung korrigieren.

Etwa 300 ehrenamtliche Wolfsbotschafter des NABU unterstützen diese Arbeit, in dem sie Wissen über den grauen Jäger vermitteln.

Im Jahr 2000 wurden wieder erstmalig seit über 100 Jahren wild lebende Wölfe in Deutschland geboren, seitdem nimmt ihre Zahl und Verbreitung langsam aber stetig zu.

Nahezu jedes Bundesland (Stadtstaaten ausgenommen) hat geeignete Lebensräume, denn die Tiere gelten als sehr anpassungsfähig.

Die oben abgebildete Verbreitungskarte zeigt keine Einzeltiere (siehe Karte unten), z.Z. hat lediglich das Saarland noch keinen DNA-Nachweis für einen Wolf gehabt.

Die nächsten wildlebenden Wolfsrudel von Baden-Württemberg aus gesehen, befinden sich etwa 80 km Luftlinie von Überlingen entfernt im Calandamassiv/Schweiz und in den Vogesen/Frankreich etwa 70 km Luftlinie zu Freiburg (Stand März 2015).

Am 26.06.2015 wurde in Lahr/Schwarzwald, der erste Wolf seit über 150 Jahren in Baden-Württemberg, überfahren auf einer Autobahn aufgefunden. Im November 2015 fand man im Alb-Donau-Kreis bei Merklingen bereits den zweiten überfahren Jungwolf. Beide Tiere waren männlich und stammen aus dem seit 2012 etablierten Rudel in Graubünden/Calandamassiv, Schweiz. Die erste Lebend-Sichtung eines Wolfes in Baden-Württemberg erfolgte im Mai 2016 auf der Baar.

Neue Meldungen im August 2016 berichten von einem bestätigten Rudel in Österreich - dem ersten seit 100 Jahren.

Im November 2016 wird bei Memmingen im Allgäu nach einem Riss, die DNA eines männlichen Wolfes aus den Südwestalpen bestätigt. Die räumliche Distanz zu Überlingen beträgt lediglich einen Tages-/Nachtmarsch.

Im Juni 2017 erfolgt eine Sichtung nahe Überlingen - zwischen Bambergen und Lippertsreute fotografiert ein Landwirt in Obstplantagen einen Jungwolf. Das Tier wird von den zuständigen Behörden als Wolf bestätigt.

Juli 2017 wird ein junges, männliches Tier tot im Schluchsee aufgefunden. Der Jungwolf stammt aus der Niedersachsenpopulation bei Schneverdingen, ob es sich dabei um den in Überlingen gesichteten Wolf handelt, bleibt zunächt unsicher. Das Tier wird in Berlin obduziert. Die Untersuchung ergibt, dass der "Schluchseewolf" durch einen unbekannten Schützen/in nachweislich illegal erschossen wurde.

Oktober 2017 -  Der NABU Baden-Württemberg gemeinsam mit BUND, euroNATUR, Schwarzwaldverein, Luchsinitiative, WWF Deutschland und dem Ökologischen Jagdverein (ÖJV-BW) lobt eine Belohnung zu Hinweisen auf den illegalen Schützen/in in Höhe von 2.500 Euro aus.

Oktober 2017 - Bei Heilbronn werden drei Schafe nachweislich von einem Wolf gerissen. Dies ist der erste , durch Wölfe verursachte Nutztierriss seit über 100 Jahren in Baden-Württemberg.

Okt. 2013 Lüneburger Heide - Foto Jürgen Borris / NABU
Okt. 2013 Lüneburger Heide - Foto Jürgen Borris / NABU

Die Reaktionen auf die Rückkehr des Wolfes reichen von begeisterter Wildromantik-Träumerei bis hin zum illegalen Abschuß aus hunderprozentiger Ablehnung.

Beides wird den Tieren nicht gerecht.

 

Wir werden in vielerlei Hinsicht wieder lernen müssen mit großen Beutegreifern in unserer unmittelbaren Nachbarschaft zu leben, wenn der Wolf in unserem Land eine echte Chance haben soll.

 

  • Manch einer stellt da die Frage, wozu brauchen wir überhaupt Wölfe?
  • Gehört der Wolf in unsere heimische Kulturlandschaft?
  • Wollen wir grundsätzlich wildlebende Prädatoren in Deutschland akzeptieren?
  • Kann man von anderen Nationen Beutegreiferschutz einfordern (z.B. Löwe, Tiger, Leopard, Bären) und im eigenen Land verweigern ?
  • Wie könnten unsere Nutztierhalter mit dem Thema große Beutegreifer umgehen?
  • Wie gefährlich ist das Tier für den Menschen?

 

Nun, einige dieser Fragen kann im Grunde nur jeder Mensch für sich selbst beantworten,

denn es ist eine grundsätzliche Frage, wieviel Natur wir zulassen möchten und was es uns wert ist.

Natur ist für Menschen oft nicht bequem und kostenfrei zu haben und die Balance zwischen Nutzen daraus ziehen und nicht nachhaltig zu zerstören ist schwierig.

 

Auch andere, für uns ungewohnte Wildtiere wandern eventuell wieder kurz-  oder langfristig zu uns ein,

wie zum Beispiel der Braunbär, Goldschakal , Biber, Elch, Wildkatze oder der Luchs und so betrifft manche Fragestellung nicht nur den Wolf alleine.

 

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