Große Greifvögel im mittelalterlichen Stadtgraben

auch 2018 wieder Brut

Bitte verhalten Sie sich absolut ruhig, wenn Sie sich der Brutstätte nähern

und verwenden Sie kein Blitzlicht!

Die Chronik des Überlinger Uhus

Schon im Winter 2009/2010 waren die schaurig schönen Rufe des Uhus von den Überlinger Stadtdächern zu hören.

Zur großen Überraschung vieler kam es zu einer erfolgreichen Brut und der Jungvogel verließ Ende Juni den Nistplatz.

Wie bei Eulen und Greifvögeln üblich hielt der Jungvogel sich einige Tage am Boden, auf Ästen in Bäumen oder in geringer Höhe in der Felswand auf. In dieser Zeit - die so genannte Ästlingszeit - ist der Jungvogel vielen Gefahren ausgesetzt.

Die Altvögel beobachten den Sprössling rund um die Uhr.

 

Im Jahr 2012 bestand die Brut bereits aus stattlichen vier Jungvögeln.

Leider verendete der weibliche Altvogel im Oktober 2013 an unsachgemäß verwendetem Rattengift , nach erneut erfolgreicher Brut mit 3 Jungvögeln.

Spannend blieb es nun abzuwarten ob das Männchen sich eine neue Partnerin sucht. Um so mehr erfreute die Tatsache, dass es wirklich ein neues, erfolgreiches Gelege auch im Jahr 2014 gegeben hat.

 

Im Jahr 2015 wurden die Uhus dann in Überlingen zwar noch gesichtet und gehört, jedoch kam es nicht mehr zu einer erneuten Brut am angestammten Platz.

Nach Beobachtungen von Dr. B.Schnetter war das Uhuweibchen nach einjähriger Abwesenheit, bereits am 22.Februar 2016 mit der Brut beschäftigt und saß auf dem Nest. Vier Jungvögel schlüpften!

 

Im Jahre 2017 bestand die Brut aus drei Jungvögeln und auch 2018 sind breits drei Küken geschlüpft.

Link zum entsprechenden Südkurierartikel: https://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/ueberlingen/Drei-Uhu-Kueken-lernen-im-Stadtgraben-das-Fliegen;art372495,9698562

 

Bitte verhalten Sie sich absolut ruhig, wenn Sie sich der Brutstätte nähern.

Teile des Stadtgrabens werden mehrere Monate zum Schutz der Jungvögel gesperrt bleiben.

 

Wer sich aktiv an dem Schutz von Uhus und Eulen beteiligen möchte, kann sich dem neu gegründeten Arbeitskreis "Eulen, Dohlen und Falken " im NABU Überlingen anschließen - auch Neueinsteiger in Sachen Naturschutz sind herzlich willkommen !

Nähere Infos unter "Projekte in der Region"

 

Wissenswertes zum Uhu

Mit dem Uhu haben NABU und LBV im Jahre 2005 einen Eulenvogel zum Vogel des Jahres gekürt, der wie kaum eine andere Art auch für Erfolge im Artenschutz steht. Die hierzulande fast ausgerottete größte europäische Eule kommt dank gezielter Artenhilfsprogramme heute wieder bundesweit vor. Trotz der vielerorts stabilen Bestände ist die Population dieses nachtaktiven Greifvogels allerdings regional rückläufig und nimmt der Bruterfolg ab , ohne dass die Ursachen hierfür bekannt seien. Auch wenn sich das Blatt insgesamt gewendet habe, ist der Uhu bis heute besonders schutzbedürftig.

Name und Verwandtschaft :

Die Gattung Bubo umfasst in Europa zwei Arten: Den namensgebenden europäischen Uhu (Bubo bubo) und die nordeuropäische Schneeeule. Letztere wird erst seit kurzem aufgrund genetischer Untersuchungen als Bubo scandicus in eine Gattung mit dem Uhu eingeordnet. Das deutsche "Uhu" ist lautmalerisch vom zweisilbigen Balzruf des Uhus abgeleitet, ebenso die lateinische Artbezeichnung "Bubo" und die meisten mundartlichen Bezeichnungen im deutschen Sprachraum (Bubu, Schuhu etc.).

Kennzeichen:

Schon seine Körpergröße von rund 70 Zentimetern und seine Spannweite von bis zu 180 Zentimetern, die massige Gestalt und der dicke Kopf machen den Uhu fast unverwechselbar. Mit seinem in hellen und dunklen Brauntönen gemusterten Gefieder ist er trotz seiner Größe stets bestens getarnt. Der weiße Kehlfleck ist nur bei rufenden Tieren sichtbar.

Lautäußerungen:

Im großen Lautrepertoire des Uhus ist der weittragende Balzgesang am bekanntesten: das zweisilbige "buhoo" des Männchens und das hellere "uhju" des Weibchens. Als Alarmruf wird ein dem Graureiher ähnliches "gräck" ausgestoßen. Jungvögel betteln ab einem Alter von vier bis fünf Wochen mit lautem, heiseren Schnarren.

Nahrung:

Der Uhu ist Nahrungsopportunist, also nicht wählerisch: Sein Beutespektrum reicht von Feldmäusen, Ratten und Igeln über Kaninchen und Feldhasen bis zu Vögeln von Singvogel- bis Bussardgröße. Gelegentlich werden sogar Fische oder Amphibien erbeutet.

Lebensraum:

Der Uhu besiedelt als Offenland-Jäger offene, reich gegliederte Kulturlandschaften mit einem kleinräumigen Mosaik aus verschiedenen landwirtschaftlichen Nutzungsformen, Heckenzügen und Feldgehölzen. Ausgedehnte Waldgebiete und Agrarsteppen werden gemieden.

Fortpflanzung:

Der Uhu ist in Mitteleuropa überwiegend Felsbrüter. Steinbrüche sind ein wichtiger Sekundär-Lebensraum geworden. Wo Brutmöglichkeiten an Felsen fehlen, kommen auch Baum- und vor allem Bodenbruten vor - regional zum Teil gehäuft, wie zum Beispiel in Schleswig-Holstein. Die Paarbildung erfolgt während der Herbstbalz im Oktober und November. Bruten werden meist im März, zum Teil auch schon im Februar begonnen. Nach einer Bebrütung von 34 Tagen schlüpfen ein bis drei, in seltenen Fällen auch vier oder gar fünf Jungvögel. Sie sind mit etwa zehn Wochen flugfähig, verlassen das Nest aber bereits Wochen zuvor und zerstreuen sich in der Umgebung des Brutplatzes. Auch nach dem Ausfliegen werden die Jungvögel noch lange versorgt, bis sie im August schließlich selbstständig sind.

Autor: Detlev Koch - NABU Überlingen

Die drei Jungvögel / Mai 2013
Die drei Jungvögel / Mai 2013
Jungvögel 2012
Die vier Jungvögel 2012 / Foto: A.Engelmann