Zu Insektennisthilfen gehören nicht nur die in allen Variationen mittlerweile angebotenen "Insektenhotels", sondern vor allem auch das Sandarium. Wir stellen beide Varianten vor und erklären, worauf es jeweils bei Inhalt und Gestaltung ankommt.

Eigentlich ist der Name "Insektenhotel", der für handelsübliche Nisthilfen meist genutzt wird, ziemlich irreführend. Denn die Insekten sollen hier natürlich nicht nur "übernachten" und dann weiterziehen wie in einem Hotel, sondern vor allem geeignete Nistplätze und Kinderstuben finden, die ihrem Arterhalt dienen.
Insektengerecht befüllte Nisthilfen ziehen Wildbienenarten wie Rostrote und Gehörnte Mauerbiene ebenso an wie Vertreter der Grabwespen. Oft rufen sie zudem parasitäre Arten auf den Plan, die sich von Bienenlarven ernähren, wie Wollschweber, Erzwespen, Kuckucksbienen und Bienenwolf. Doch dieses Zusammenspiel verschiedener Arten in einer Nahrungskette macht naturnahe Lebensräume ja letztlich erst vollständig.
Hier ein paar Tipps, wie Sie Insektennisthilfen als wertvolle Brutplätze für Bienen und Co. gestalten:


Hartholz (z.B. Eiche, Buche, Esche, Obstbäume) muss komplett trocken sein, sonst entstehen Risse. Die Löcher mit scharfem Bohrer mindestens 10 cm oder tiefer bohren - je länger, desto mehr Brutkammern passen hinein. Bienen nehmen die Löcher zudem nur an, wenn es im Inneren dunkel genug ist. Entstandene scharfe Kanten abschleifen und Bohrmehl entfernen, damit keine Spreißel und splissige Kanten die Flügel der Insekten verletzen.
Bambus/Schilf: Stängel zusammenbinden und befestigen (z.B. in Blechdosen, Papprollen, Holzkästen o.ä.) sowie hinten
schließen. Hierfür Bambus hinter dem Knoten absägen oder hinten mit Watte oder Polsterwolle abdichten. Die Stängel wenn nötig ausräumen.
Pappröhrchen/Strohhalme: Sind bei passender Länge ebenfalls geeignet, sofern sie fixiert und hinten verschlossen
sind. Vögel können hier jedoch leichter an die Insekten gelangen.

Markhaltige Stängel (Holunder, Brombeere, Rose): Blätter entfernen und senkrecht seitlich an das "Insektenhotel" binden. Andere Idee: getrocknete Blütenstände der Nachtkerze einzeln vertikal am Zaun befestigen.
Ziegel: Bei herkömmlichen Ziegelsteinen sind die Löcher zu groß, sie lassen sich aber als Halter für Stängel und Röhrchen verwenden. Dagegen werden die Löcher von Stangenfalzziegeln gerne direkt angenommen.
Sand-Lehm-Gemisch für Nistwand: In Dose, Kiste o.ä. mit geschlossener Rückseite Mix aus Lehmpulver und ungewaschenem Bausand im Verhältnis 1:9 einfüllen, Wasser dazu, fest andrücken. Langsam trocknen lassen. Die richtige Beschaffenheit zu erzielen, ist nicht leicht. Test: Die Oberfläche muss sich mit dem Fingernagel abkratzen lassen. Evtl. einige Löcher vorbohren.
Für Bildinformationen klicken Sie bitte auf die Fotos.

Besonders wertvolle Nisthilfen für eine Vielzahl von Arten sind Sandarien. Tatsächlich graben drei Viertel aller Wildbienenarten in Deutschland ihre Brutkammern in Lehm, Sand und lockere Erde, z.B. Furchen-, Sand-, Seiden- und Hosenbienen. Aber auch solitäre Wespen, etwa Arten der Grabwespe, finden hier gute Plätzchen für ihre Kinderstuben.
Wer also im Garten ein Sandbeet anlegt und dabei einige Tipps beachtet, tut Wildbienen und Co. wirklich etwas Gutes!
1. Standort: Erste Wahl sind sonnige, möglichst regengeschützte Plätze. Eine gute Nachbarschaft sind z.B. Trockenmauern und Totholz.
2. Das richtige Substrat: Hier können sich mehrere Varianten eignen. Etwa bindiger Sand aus einer Kiesgruppe, Kabelsand oder auch Spielsand gemischt mit grabfähiger Reptilienerde im Verhältnis 2:1 . Im Zweifel hilft die "Becherprobe" - sie funktioniert wie das Kinderspiel mit Sandförmchen: Becher füllen, nass machen, dann umdrehen und Becher abziehen. Bleibt der Sand in Form, ist er grabfähig und die Gänge der Wildbienen sind nicht einsturzgefährdet.

3. Aufbau und Gestaltung des Sandariums:
Sowohl ebene als auch geneigte Flächen bzw. kleine Abhänge eigenen sich - sowie eine Mischung aus horizontalen und vertikalen Strukturen.
a. Ebene: Mindestens 50 x 50 cm, Boden ca. 30 cm tief ausheben und mit ungewaschenem Sand mittlerer Körnung (bzw. s.o.) auffüllen. Nach oben kann der Sand aufgehäuft sein. Ränder mit Steinen und/oder Pflanzen, etwa Sandgrasnelken, befestigen.
b. Schräg- und Hanglagen: Bei reinen Schräglagen zum Schutz vor Wind und Wasser Rückseite und Seiten mit Steinen absichern. Für besseren Halt Gemisch aus Sand und Lehm verwenden.
4. Pflege: Ein paar Pflanzen im Sandarium stören nicht. Doch zu dichter, hartnäckiger Bewuchs sollte entfernt werden - bei einzelnen Pflänzchen ist dies vorsichtig ganzjährig möglich, größere Flächen am besten erst im Herbst oder späten Winter befreien, wenn kein Brutgeschäft gestört werden kann.

Alle Fotos ohne Nachweis direkt am Bild: NABU/Karin Herczog